Die Lunge des Pferdes ist ein Hochleistungsorgan.
Das Volumen in Ruhe beträgt ca. 5 Liter Luft pro Atemzug. Die Lunge des Pferdes hat eine Gesamtkapazität von ca. 55 Litern.
Bei Schnellem Lauf sind Volumina von 15 - 20 Liter pro Atemzug möglich.
Wenn man von einem ruhenden Pferd ausgeht, welches im Schnitt 12 Atemzüge pro Minute macht, erreicht man in 24 Stunden ein Atemzugsvolumen von
fast 90.000 Litern Luft in reiner Ruhe. Bei Belastung, die bei einem gesunden Pferd nun auch täglich vorkommen sollte, steigt diese Zahl enorm an.
Diese Zahlen zeigen, wie wichtig eine saubere Umgebung für Ihr Pferd ist. Stellen Sie sich vor, das Pferd steht 24 Stunden in der staubigen Box, dann atmet es ca. 90.000 Liter Staubluft ein.
Ein so hochsensibles Organ wie die Pferdelunge macht so etwas natürlich nicht lange ohne Folgen mit.
Der Weg der Luft in das Pferd beginnt mit den Nüstern. Sie wird hier angewärmt weitergeleitet über den Kehlkopf in die Luftröhre.
Am Ende zweigt diese sich Y-artig auf in die sogenannten Hauptbronchien. Von da aus geht es über ein immer weiter verzweigtes Sytem, ähnlich wie
bei einem Baum, in immer feinere Strukturen, die Bronchioli genannt werden. An deren Ende sitzen die Lungenbläschen, die sog. Alveolen. Hier findet der Gasaustausch mit dem Blut statt. Die Alveolen sind von einem hochfeinen Gefäßgeflecht umzogen, Kohlendioxid wird im Austausch zu Sauerstoff in die Alveolen abgegeben und wird dann abgeatmet.

Durck klicken auf die Bilder können Sie diese vergrößern.

Ansicht eines Bronchiolus mit angrenzenden Alveolen 

Die Schleimhaut der Atemwege besteht unter anderem aus speziellen Zellen mit sog. Flimmerhäärchen (Zilien). Daneben befinden sich sog. Becherzellen. Deren Aufgabe besteht darin, Schleim zu produzieren und abzusondern. Auf diesem Schleim schwimmen dann Viren, Bakterien, Pilze und Staub. Durch koordinierte Bewegungen der Flimmerhäärchen transportieren diese den Schleim in Richtung Rachen und somit nach außen. Desweiteren sind in den Atemwegen immer spezielle Zellen des Immunsystems zur Abwehr vorhanden, sog. Makrophagen. Durch dauerhafte Haltung in staubiger Umgebung, durch Allergien und schlechtem Futter (Schimmelpilze,etc.) kann dieses Abwehrsystem der Atemwege überfordet werden. Folge davon ist, das die Zahl der Flimmerhäärchen abnimmt und der Schleim nicht mehr abtransportiert werden kann und somit noch ein guter Nährboden für die vorhandenen Bakterien ist.

Verlauf der Zilienzellveränderungen bei
 anhaltendem Atemwegsinfekt 

Zu dem kommt noch das Problem der "Bronchialspasmen" hinzu. Die Bronchien besitzen eigene Muskulatur, die bei einem Infekt oder einer Allergie
mit Zusammenziehen (Kontraktion) reagiert. Dies hat zur Folge, das der Durchmesser sich verengt und das Pferd deutlich schlechter atmen kann.
Zu dem kommt hinzu, das die Alveolen eine natürliche Verengung, ähnlich einem Flaschenhals am Anfang haben. Diese Kombination hat zur Folge,
das das Pferd zwar Luft ein - aber sehr schlecht wieder hinausatmen kann. Dadurch kommt es im weiteren Verlauf zum Platzen der Alveolen -
dies Geschehen ist irreparabel. Lebenswichtige Lungenbläschen sind zerstört und das Pferd kann dem Körper nicht genügend Sauerstoff liefern.
Es entsteht der Zustand der RAO, der Recurrent Airway Obstruction - früher auch COPD oder Dämpfigkeit genannt.



Hat Ihr Pferd eine Atemwegserkrankung, sollten Sie schnell handeln und diese nicht auf die leichte Schulter nehmen.
Halbherzig therapierte oder gar verschleppte Atemwegserkrankungen, die zu den oben genannten Folgen führen, sind nicht wieder rückgängig zu machen.

Sie können nun einen Film über eine Bronchoskopie eines Pferdes mit Atemwegsproblematik anschauen.
Im Verlauf des Filmes sehen Sie einige Schleiminseln (weiße Punkte), welche das sogenannte "TBS", das Traecheobronchialsekret, sind.

Sie sollten einen Husten, der mehrere Tage andauert, nicht auf die leichte Schulter nehmen.

Einige Punkte sollten Sie beachten:

Haltungsoptimierung

- Futter muß frei von Staub und Schimmel sein
- keine Haltung im staubigen Stall
- regelmäßige Bewegung

Schleimlösende Medikamente geben

Man unterscheidet hier verschiedene Arzneimittel

1.) - als sogenanntes Mukolytikum, dem Schleimlöser ist das ACC (Acetylcystein) hinlänglich bekannt. Seine Wirkung beruht darauf, bereits
produzierten Schleim in seinen physikalisch-chemischen Eigenschaften so zu verändern, das er nicht mehr zäh und brockig ist, sondern so flüssig wird,
das ihn das Pferd aushusten kann

2.) - als sogenanntes Sekretolytikum ist das Arzneimittel Dembrexin das bekannteste. Seine Wirkung beruht auf die Förderung der Aktivität der
Schleimproduzierenden Zellen. Durch die gesteigerte Produktion von flüssigem "gutem" Schleim und der einhergehenden gesteigerten Aktivität
der Flimmerhäärchen wird der Abtransport der hustenauslösenden Faktoren gefördert.

3.) - unterstützend hilft zu der schleimlösenden Komponente die Behandlung gegen den Bronchospasmus. Der Wirkstoff Clenbuterol spricht die Muskulatur
der Bronchien an und läßt diese sich entspannen. Die Folge ist eine Weitstellung der Atemwege, die Atemluft kann wieder frei fließen.

Antibiotische Behandlung

Gegebenenfalls muß eine antibiotische Behandlung zugeschaltet werden. Wenn nachweislich Bakterien am Krankheitschehen beteiligt
sind (eitriger Nasenausfluß, Ergebnisse einer Bronchoskopie) sollte mittels Antibiogramm das geeignete Antibiotikum gefunden und verabreicht werden.

Inhalationstherapie

Zum Thema Inhalationstherapie werde ich einen eigenen Artikel verfassen, den Sie in Kürze auf der Webseite finden können.

Atemwegserkrankungen beim Pferd ist ein sehr weit reichendes Thema - ich hoffe ich konnte Ihnen
einen kleinen Einblick in das komplexe Thema verschaffen.
Für weitere Fragen oder Anregungen können Sie mich gerne kontaktieren.